Ortsverein
Untergrombach

Notfallhilfe

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Notfallhilfen / „First Responder"

Was sind denn Notfallhilfen und wie läuft so ein Einsatz denn ab?

1. Vorbemerkung
Um in unserem ländlich strukturierten Gebiet die oftmals langen Anfahrtszeiten zu überbrücken und Spitzenbelastungen (z. B. bei größeren Einsätzen des Rettungsdienstes) auszugleichen, wurden vor einigen Jahren die ersten DRK-Notfallhilfen im Landkreis Karlsruhe ins Leben gerufen. Sie sollen in Notfällen noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes qualifizierte und organisierte Erste Hilfe leisten. Im Jahr 2005 sind ca. 60 Notfallhilfen bzw. „First Responder"-Systeme im DRK-Kreisverband Karlsruhe e. V. im Einsatz und haben sich zu einem Aushängeschild des Kreisverbandes in ganz Deutschland entwickelt. Die Notfallhilfen sind keine Konkurrenz zum regulären, öffentlichen Rettungsdienst. Sie sollen helfen, das so genannte „therapiefreie Intervall" zu verkürzen. Organisatorisch sind die Notfallhilfen aber sehr wohl ein Teil des Rettungsdienstes. Wir sprechen vom „erweiterten Rettungsdienst".
Der wesentliche Vorteil einer Notfallhilfe ist -bedingt durch die örtliche Nähe- ein rasches Eintreffen an der Einsatzstelle. Damit können bereits unter Umständen lebensrettende Sofort- und Basismaßnahmen so früh als möglich durchgeführt werden. Bei Herz-Atem-Stillstand sinkt die Überlebensrate mit jeder Minute, in der keine Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden, um zehn Prozent. Erreichen Patienten mit Herz-Atem-Stillstand in Gegenden ohne Notfallhilfen in nur fünf Prozent der Fälle lebend das Krankenhaus, so steigt diese Quote durch den Einsatz der Notfallhilfen auf 25 Prozent.

2. Aufgaben
Die Notfallhilfen leisten qualifizierte Erste Hilfe, erkunden die Lage, geben eine qualifizierte Rückmeldung an die Rettungsleitstelle (RLS) ab und weisen, wenn nötig, weitere Rettungsmittel ein. Auf Anforderung durch die RLS bringen die Notfallhilfen auch das medizinische Team des Rettungshubschrauber (RTH) vom Landeplatz zur Einsatzstelle.
Nach Eintreffen des Rettungsdienstes „übergibt" die Notfallhilfe den/die Patienten mit der bisher erhobenen Anamnese und Diagnostik sowie den eingeleiteten Erstmaßnahmen an den Rettungsassistenten bzw. Notarzt. Die Notfallhilfe bietet ihre Hilfe bei der weiteren Versorgung an. Die Notfallhilfen sorgen weiter dafür, dass der Rettungsdienst zügig die Einsatzstelle verlassen kann bzw. wieder frei wird. Freiwillige Leistungen sind Tragehilfen, Hausnotrufeinsätze, Betreuung von Betroffenen/Angehörigen oder Zubringerdienste von Sondergruppen.

3. Alarmierung
Die Notfallhilfen werden ausschließlich von der Rettungsleitstelle des DRK Kreisverbandes Karlsruhe e. V. rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche alarmiert. In der Regel wird die örtliche Notfallhilfe bei jedem Einsatz des Rettungsdienstes, bei dem dieser mit Sondersignal die Einsatzstelle anfährt, alarmiert. Die Alarmierung erfolgt über Funkmeldeempfänger und/oder per SMS-Nachricht an das Notfallhandy der Notfallhilfe.
Die Notfallhilfe meldet sich nach dem Alarm über Funk bei der Rettungsleitstelle und erhält dann alle notwendigen Informationen für den Einsatz. Bei erfolgter SMS-Alarmierung genügt eine kurze Statusmeldung (Ausrückzeit, Ankunftszeit am Einsatzort) an die RLS.

4. Schweigepflicht nach StGB § 203
Die Helfer der Notfallhilfen unterliegen der medizinischen / ärztlichen Schweigepflicht nach § 203 StGB

5 Qualifikationsanforderungen
Bevor der volljährige Helfer verantwortlich zum Einsatz kommt, ist eine Mindestausbildung zu absolvieren.
Diese muss folgende Ausbildungselemente beinhalten:
· Sanitätsausbildung Teile A + B
· Notfalltraining Reanimation
Bei Notfallhilfen mit halbautomatischem Defibrillator zusätzlich:
· Ausbildung Frühdefibrillation
Bei Notfallhilfen mit Einsatzfahrzeug/Funk zusätzlich:
· Einweisung: Fahren mit Sondersignal
· Funkausbildung
Weiter sollen die eingesetzten Helfer regelmäßig Erfahrungen im Rettungsdienst sammeln. Die Helfer unterliegen einer regelmäßigen Fort- und Weiterbildungspflicht im Sanitäts- bzw. im Rettungsdienst.

6. Ablauf eines Einsatzes der Notfallhilfe
Die DRK Rettungsleitstelle alarmiert die Notfallhilfe, in deren Zuständigkeitsbereich der
Notfall liegt.
Die Notfallhilfe meldet sich möglichst über Funk bei der Rettungsleitstelle.
Die Rettungsleitstelle gibt folgende Informationen weiter:
· Einsatzstelle
· Einsatzart (mit oder ohne Sondersignal auf Anweisung der RLS)
· Rettungsmittel, die für diesen Einsatz alarmiert wurden
· evt. Zusatzinformationen
Die Notfallhilfe fährt unter Beachtung der StVO zur Einsatz- bzw. Unfallstelle.
Das Eintreffen der Notfallhilfe an der Einsatzstelle muss der Rettungsleitstelle gemeldet werden. Untersuchung des Patienten/Verletzten. Lageerkundung. Nach Notwendigkeit: Rückmeldung an die RLS. Erstversorgung des Patienten/Verletzten.
Nach Eintreffen des Rettungsdienstes übergibt die Notfallhilfe den/die Patienten an diesen und bietet ihre weitere Mithilfe an.

7. Dokumentationspflicht
Jeder Einsatz der Notfallhilfen muss patientengenau festgehalten und dokumentiert werden.

8. Einsatzkleidung
Die Helfer tragen Dienstkleidung, um als Notfallhilfe für Angehörige und Patienten erkennbar zu sein.


Die Notfallhilfe Untergrombach


Seit März 2004 besteht auch in Untergrombach eine Notfallhilfe. Sie ist Teil der DRK-Bereitschaft und besteht derzeit aus acht Stammhelferinnen und -helfern, die in wöchentlich wechselnden Gruppen oder Einzelpersonen Tag und Nacht an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit sind. Die Notfallhilfe wird organisatorisch und finanziell durch den DRK Ortsverein Untergrombach getragen, während das Personal sich sowohl aus Helferinnen und Helfern des DRK als auch aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Untergrombach zusammensetzt. Diese Personalkooperation zwischen den beiden Rettungsorganisationen ist einmalig und beispielhaft im Kreisverband Karlsruhe. Einsatzgebiet der Notfallhilfe sind aktuell die Ortschaft Untergrombach sowie die Bundesautobahn A 5 im näheren Anfahrtsbereich (Bruchsal/Weingarten). Bis zur Gründung der Notfallhilfe Obergrombach im März 2008 wurden Notfälle in Obergrombach mit betreut.

Im Jahr 2009 beschaffte das DRK Untergrombach aus vereinseigenen Mitteln ein neues Fahrzeug, nachdem das seit 2004 verwendete Einsatzfahrzeug in die Jahre gekommen war. (siehe Bild). In diesem ehemaligen Notarztwagen führen die Helferinnen und Helfer das für die zu erwartenden Einsätze notwendigen Material. Dank der Unterstützung der Stadt Bruchsal ist das Fahrzeug auch mit einem halbautomatischen Defibrillator ausgestattet.

Die Hilfeleistungen der Notfallhilfe sind für die Patienten kostenlos. Die Notfallhilfe Untergrombach wird ausschließlich aus eigenen
Finanzmitteln des DRK Untergrombach finanziert. Die Helferinnen und Helfer arbeiten ehrenamtlich und erhalten keinerlei Entschädigung für den Einsatz. Eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen oder sonstige Stellen findet nicht statt. Die im Wesentlichen durch die Mitgliedsbeiträge der Fördermitglieder aufzubringenden Kosten betragen pro Jahr rund 3.000 Euro. Die Kosten für das neue Fahrzeug schlugen mit rund 15.000 Euro zu Buche. Wir freuen uns daher über Ihre Spende.

Einsatzstatistik


Im Gründungsjahr 2004 wurde die Notfallhilfe Untergrombach in 63 Fällen alarmiert. Im Jahre 2005 erfolgte unter anderem bedingt durch die Erweiterung des Einsatzgebietes auf Obergrombach eine Steigerung auf 110 Alarmierungen. Diese Zahl wurde bereits wieder im Jahre 2006 mit 135 Alarmierungen überschritten. 2007 war ein geringer Rückgang auf 124 Einsatzanforderungen zu verzeichnen. Trotz Wegfall des Einsatzgebietes Obergrombach erhöhten sich die Einsatzahlen in 2008 auf 140 Alarmierungen. Hiervon wurden trotz der Berufstätigkeit der Helferinnen und Helfer nur 17 Einsätze nicht gefahren. Dies ergab eine Einsatzquote im Jahr 2008 von fast 90 Prozent.

Im vergangenen Jahr 2009 wurde mit insgesamt 171 Alarmierungen ein neuer Höchststand erreicht. Dies bedeutet, dass die Notfallhilfe im Schnitt pro Woche drei bis vier Mal alarmiert wurde. Der häufigste Alarmierungsgrund sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von chirurgischen Einsätzen und dem Merkmal „Bewusstlose Person" (siehe Grafik). Wegen der beruflichen Tätigkeit der Helferinnen und Helfer konnten 33 Einsätze nicht gefahren werden. Die Einsatzquote liegt dennoch bei über 80 % im Ehrenamt.

Das neue Notfallhilfefahrzeug des DRK - Untergrombach

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